Neugestaltung der Oberzent-Vereinsförderung ist eine harte Nuss

Die Neugestaltung einer Oberzent-weit gültigen Vereinsförderung gestaltet sich als harte Nuss. Praktisch alle Parteien hatten sich das Thema im Kommunalwahlkampf auf die Fahnen geschrieben. Allerdings wurden allgemein wohl auch die Fallstricke unterschätzt, mit denen die Realisierung versehen ist. Bürgermeister Christian Kehrer meinte zum aktuellen Zwischenstand, dass es in den vorherigen vier Gemeinden so viele unterschiedliche Herangehensweisen gab, dass es ihm fast unmöglich erscheint, sie alle unter einen Hut zu bringen.

Auf jeden Fall, so der Bürgermeister, „dauert es seine Zeit, eine gemeinsamen Richtlinie auszuarbeiten“. Es gilt dicke Bretter zu bohren. 138 Vereine, Organisationen und Gruppierungen gibt es in der Stadt Oberzent. Sie wurden teilweise bisher schon finanziell unterstützt, durften – je nach Art und Ort – öffentliche Gebäude, die kommunalen Sportplätze oder die Hallen kostenlos nutzen. Andere mussten dafür aber auch zahlen.

Wie Kehrer erläuterte, übernahm die Stadt außerdem Grundbesitzabgaben von derzeit 26.000 Euro jährlich, der Bauhof „stiftete“ den Dünger oder sorgte für Ertüchtigung der Sportflächen. Er nannte als Beispiel die Summe von 3300 Euro, die dafür in Rothenberg und Finkenbach bisher aufgewendet wurde. Manchmal gab’s außerdem einen Zuschuss für einen Rasenmäherkauf.

Auf der Gemarkung existieren seinen Worten zufolge daneben Sporthallen, „die es ohne das Ehrenamt nicht gäbe“: siehe Rothenberg. Andere wiederum wurden völlig ohne das Engagement der Bürger gebaut. „Wie soll man da einen Spagat hinbekommen, damit es gerecht wird“, raufte er sich die Haare. Denn natürlich will man auch die Vereine belohnen, die – wie bei der Renovierung in Rothenberg – tatkräftig anpackten. So gibt es eben manchmal Nutzungsgebühren, manchmal auch wieder nicht. In anderen Fällen bekommt die Gemeinde eine Umsatzbeteiligung bei Veranstaltungen.

Da eine Neuregelung noch Zeit und Mühen brauchen wird, bleiben jetzt erst einmal die Zuwendungen für Jugendarbeit und bei Jubiläen gleich. Parallel will die Verwaltung die Vereine noch einmal nach Mitgliederzahlen und finanziellen Spielräumen abfragen. Kehrer regte die Bildung einer Arbeitsgruppe an. Diese soll dann allgemeine Förderrichtlinien, Jugendförderung, Übernahme der Grundbesitzabgaben, Investitionszuschüsse, Unterhaltung der Sportplätze sowie Nutzung öffentlicher Gebäude und Benutzungsgebühren besprechen.

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Vereinsförderrichtlinien sollen in Oberzent wieder aktiviert werden

Die mit Einführung der Doppik vor etwa zehn Jahren ausgesetzten Beerfeldener Vereinsförderrichtlinien sollen in der neuen Stadt Oberzent wieder ins Leben gerufen werden. Entsprechenden Anträgen von SPD und CDU folgte die Stadtverordneten-Versammlung einstimmig. Sie beauftragte den Magistrat mit der Überarbeitung und der Anpassung auf das neue Stadtgebiet.

Die endgültige Fassung soll zuerst im Haupt- und Finanzausschuss beraten werden, führte Erwin Körber (SPD) aus. Er kann sich angesichts der diffizilen Materie aber auch einen Arbeitskreis vorstellen. Körber charakterisierte die Vereine als Träger des Zusammenlebens in der Stadt. Sie sprächen Bürger „quer durch alle Altersschichten“ an. In den Organisationen werde viel ehrenamtliche Arbeit geleistet, die von der Kommune gar nicht geschultert werden könne. Der SPD-Mann sah es als „Herkulesaufgabe“ an, in den verschiedenen Stadtteilen alles zu vereinheitlichen.

Denn es gebe viele verschiedene Kriterien: Manchmal nutzten Vereine die eigene Halle, dann wieder eine städtische. Im Falle Rothenbergs wurde von den drei örtlichen Vereinen viel Eigenarbeit in die Renovierung gesteckt, kam der Hinweis von dieser Seite. Ähnlich bei den Sportplätzen. Dazu gibt es noch die Schwimmbad-Initiativen in Hetzbach und Beerfelden und durch die neue Stadt jetzt auch das Finkenbacher Freibad.

Walter Gerbig (CDU) sah kein Problem darin, den eigenen Antrag zusammen mit dem der SPD zu behandeln. Im Konzept der Christdemokraten stehe der Grundsatz „Fordern und Fördern“ im Vordergrund, erläuterte er. Man stelle sich einen gewissen Grundbetrag plus Zulage etwa für Jugendarbeit vor. Auch gebe es die Idee, die Vereine im Gegenzug für die Förderung in städtische Veranstaltungen einzubinden.

Claus Weyrauch (ÜWO) wies auf die mannigfaltigen Aufgaben der neuen Stadt hin. Es gehe nicht nur um die soziale, sondern auch die technische Infrastruktur, meinte er mit Blick auf zu sanierende Straßen oder Kanäle. Hier sollte man sich überlegen, ob man Prioritäten setze oder alles zusammen angehen wolle.

Passend zu diesem Punkt beschlossen die Mandatsträger die Verleihung einer Ehrenbezeichnung an Stefan Emmerich. Der 56-Jährige aus Schöllenbach engagiert sich seit 30 Jahren in der dortigen Feuerwehr-Führung. Von 1998 bis 1993 war er stellvertretender Ortsbrandmeister von Hesseneck, von 1991 bis 2018 Schöllenbacher Wehrführer. Dafür soll er in einer kommenden Sitzung zum Ehrenwehrführer ernannt werden, erläuterte Stadtverordneten-Vorsteherin Katharina Riesinger. Bei einer Gegenstimme wurde dies vom Gremium so gutgeheißen.