Großer Zuspruch für den Kunsthandwerkermarkt der Schreinerei Bellut in Airlenbach

„Die Kunden warten schon immer sehnsüchtig darauf“, freut sich Jürgen Bellut. Sie kommen dann immer gern in großer Zahl zum Kunsthandwerkermarkt vorbei, den die Schreinerei jetzt zum achten Mal veranstaltete. Künstler auf dem Odenwald zeigen hier ihre Arbeit quasi „zum Anfassen“ und haben ihre schönsten Exponate eingepackt. Die Dorfgemeinschaft Airlenbach kümmert sich darum, dass auch das Lukullische zu seinem Recht kommt.

Lederarbeiten, Messer, Porzellan, Drechselwaren, Kunstglaserei, Rasenkunst, Näh- und Schnitzarbeiten, Seife oder Gefilztes: Die Angebotspalette war groß, die Zahl der Besucher auch. Im Laufe des Mittags füllt sich der Innenhof zwischen den Schreinereigebäuden immer mehr, sodass sich sowohl der 58-jährige Jürgen Bellut als auch sein designierter Nachfolger, der 24-jährige Mitgeschäftsführer Moritz Schuhmacher, über den guten Zuspruch freuen. Immer wieder wird auch fachliche Beratung zum Möbel- und Treppenbau sowie zum gesunden Schlafen nachgefragt.

Für seine Lederwaren hat Frank Derikatz aus Wald-Michelbach ganz hohe Qualitätsansprüche. Alles wird so weit wie möglich in Handarbeit hergestellt. Der 55-Jährige kennt seine Produzenten genau, weiß, woher sein Leder kommt, sucht sich die Gerberei akribisch aus, bei der er die benötigte Rohware kauft. Was Derikatz darüber hinaus benötigt, findet sich vielleicht sogar auf dem eigenen Grundstück. Wie etwa das Wachs für den Leinenzwirn, das die eigenen Bienenvölker liefern. Genäht wird ausschließlich mit Leinenzwirn, nicht mit Polyester.

Mit Produkten aus dem Hammelbacher Imasgo-Atelier des Vereins „Christen für Afrika“ ist Martine Rüdinger dabei. Der Erlös der Produkte aus Burkina Faso geht direkt wieder an die Menschen vor Ort, damit sich diese ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können. „Wir kaufen Stoff für einen Schneider in Imasgo“, so Rüdinger. Der näht dann Kleider auf Bestellung, bekommt seinen Lohn dafür und kann damit einen Teil seines Lebensunterhalts bestreiten. Unter den Waren sind auch afrikanische Tiere aus Ebenholz oder Kaïcedra, von den Dorfbewohnern hergestellter Schmuck aus Glas, Papier, Horn und Stoff oder filigrane Basteleien in Form von Autos oder Fahrrädern aus alten Blechdosen.

Thomas Weiterschan aus Forstel bei Höchst schnitzt schon 25 Jahre „Feine Wesen“ aus Holz. Seine Arbeiten entwickeln sich aus der Vorstellung heraus, „was zum Holz passt“. Aus einem Eichenbalken entsteht etwa eine Schleiereule. „Ein Kamel wäre unpassend“, schmunzelt er. Material ist für den Diplom-Designer manchmal auch Inhalt. Früher waren es vor allem Eulen, die unter seinen Händen entstanden, heute haben sich die Werke Richtung Naturgeister wie Feen oder Engel verlagert.

Peter Hermans beschäftigt sich seit 20 Jahren im Lindenfelser Stadtteil Winterkasten mit Kunstglaserei. Den im Stand hängenden Drachen malte er auf Glas, „bevor es das Drachenmuseum gab“, lächelt der Künstler. „Die Leute kommen mit ihren Vorstellungen zu mir und ich setze diese um“, beschreibt er einen Gutteil seiner Arbeit. Da passt es, dass seine Frau Jeanne Kloepfer als Illustratorin für die perfekten Entwürfe sorgt. Hermans ist wieder bei der Weihnachtsausstellung in Michelstadt anzutreffen.

Schreibgeräte, Gewürzmühlen und Holzgefäße hat Thomas Sauer aus Wahlen mitgebracht. Einheimische Obsthölzer wie Birne, Kirsche oder Zwetschge verwendet er ebenso für seine Arbeiten wie Eiche, Esche und Ulme. Seine Gewürzmühlen „sind der Renner“, freut er sich. Die Käufer kommen von weit her, um die filigran selbst gedrechselten Schmuckstücke zu erwerben. Sie können ihm auch bei der Herstellung zuschauen, als die Späne nur so fliegen.

Dorothee Flachs aus Hirschhorn stellt all ihre Kreationen selbst in ihrer Hirschhorner Werkstatt „Midlandfilz“ her. Filztiere wie Frösche, Hasen oder Katzen als Kantenhocker sowie Gartenstecker in Form von Mohnkapseln – natürlich mit einem Filzkopf – hat sie dieses Mal neu dabei. „Filz ist wasserabweisend“, erläutert sie. Es ist eher die Sonne, die das Material beeinträchtigen kann und ausbleichen lässt. Auch handgefärbte Schals aus Wolle und Seide ziehen die Blicke auf sich.

Zum Bericht geht's hier: https://hirschhorner.wordpress.com/2018/09/10/grosser-zuspruch-fuer-den-kunsthandwerkermarkt-der-schreinerei-bellut-in-airlenbach/Schreinerei Bellut

Posted by Thomas Wilken on Monday, September 10, 2018

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Über 150 Wehrleute aus zwei Ländern üben den Waldbrand-Ernstfall

Es herrschen subtropische 35 Grad, der Wind bläst frisch aus südwestlicher Richtung, Regen ist nicht in Sicht. Und dann das: Aus dem Gebiet Bittersbach oberhalb der B37 zwischen Neckarsteinach und Lanzenbach wird ein Waldbrand gemeldet. Zum Glück handelt es sich dabei nur um eine Übung, an der unter Federführung der Neckarsteinacher Feuerwehr und des Brandschutzamts beim Kreis Bergstraße zahlreiche Wehren aus Hessen und des benachbarten Rhein-Neckar-Kreises mit über 150 Mann beteiligt sind. Bei Kreisbrandinspektor Wolfgang Müller laufen alle Fäden zusammen.

50 Kräfte sind allein aus der Vierburgenstadt im Einsatz und als erste am fiktiven Brandort, so Stadtbrandinspektor Ingo Müller zu Beginn mit Blick aufs Szenario. Unter der Neckartal-Bahnstrecke hindurch werden vom Fluss hoch die Rohre zur Wasserentnahmestelle gelegt. Schnell stellt sich heraus, dass weitere Unterstützung nötig ist. Die kommt zuerst aus dem benachbarten Hirschhorn angefahren und kümmert sich um den Wasseranschub.

Derweil laufen bei der Technischen Einsatzleitung (TEL) im Feuerwehrhaus alle Fäden zusammen. Laut Förster Harald Händel herrscht für beim Übungsfall eine „kritische Waldbrandsituation“ Es gelte schnell zuzuschlagen und alles abzuriegeln. Denn wenn sich das Feuer den Hang hoch fresse, komme es vom Laub- zum Nadelholzbestand und werde sich dort rasend schnell ausdehnen.

Heribert Koob vom Brandschutzamt des Kreises Bergstraße sammelt alle eingehenden Meldungen. Zusammen mit Wolfgang Müller gibt er Handlungsempfehlungen. Dazu gehören unter anderem die Sperrung der Bundesstraße und eine weiträumige Umleitung, aber auch die Information des Bahn-Notfallmanagers, da der Brand direkt oberhalb der viel befahrenen Neckartalstrecke lodert.

Nach und nach kristallisieren sich im Laufe des Vormittags die weiteren Notfallmaßnahmen heraus, werden immer mehr der im Bereitschaftsbereich postierten Wehren abgerufen, um am Brandort die dort bereits eingesetzten Floriansjünger zu unterstützen. Derweil sichern 14 Mann der DRLG aus Neckarsteinach und Hirschhorn mit zwei Booten auf dem Neckar die Wasserentnahmestelle, sorgen aber durch die First-Responder-Einheiten auch dafür, dass die Erste Hilfe am Einsatzort sichergestellt ist.

Viele Kleinigkeiten kommen bei diesem Großeinsatz hinzu: Aufgrund der heißen Witterung muss für die Rettungskräfte genug zu trinken vor Ort sein, kümmert sich die TEL um eine Tankmöglichkeit für die Einsatzfahrzeuge. Es gilt daneben, eine Rundfunkwarnmeldung für die Bevölkerung vorzubereiten. Außerdem muss eine Schnittstelle zwischen dem hessischen Digital- und dem badischen Analogfunk hergestellt werden.

Eine Stunde nach Alarmierung wird klar, dass derzeit ein Waldabschnitt von 200 auf 30 Meter brennt. Das Feuer zieht sich durch den Wind den Hang hoch und bedroht weiter oben nach den Worten von Förster Händel eine 30 Hektar große Douglasienfläche. Jetzt ist Bürgermeister Herold Pfeifer gefordert: Da der Polizeihubschrauber aus Egelsbach nicht verfügbar war, muss er für die Anforderung der Brandbekämpfung aus der Luft die Kostenübernahme unterschreiben.

5000 Euro pro Stunde sind der entsprechende Satz, erläutert Wolfgang Müller. Wenn allerdings Katastrophenalarm ausgerufen werde, dann übernehme der Landkreis diese Kosten. Und nach einem Katastrophenalarm sehe es übungsmäßig aus, da durch die „Ausbreitung“ des Feuers auch Neckarhausen und Lanzenbach in Gefahr geraten.

Zwei Stunden nach Einsatzbeginn sind alle angeforderten Fahrzeuge im Einsatz, vier B- und 16 C-Rohre wurden zur Wasserversorgung verlegt, erläutert Heribert Koob. Die Bahnlinie bleibe offen, da der Wind das Feuer von ihr wegtreibe. Acht Tanklöschfahrzeuge versorgen im Pendelverkehr die entsprechenden Gebiete weiter oben im Wald. Weiter unten haben die Wehren den Brand im Griff.

Inzwischen wurde auch der Hubschrauber aus Fuldatal angefordert, da die TEL von mindestens drei bis vier weiteren Stunden Brandbekämpfung ausgeht. Denn eine Stunde braucht es Rüstzeit, eine halbe Stunde Flugzeit, bis der Hubschrauber ins Geschehen eingreifen kann. Aufgrund der schwierigen Hanglage schätzt die Einsatzleitung aus, dass das Feuer aus der Luft besser in den Griff zu bekommen ist.

Förster Händel nennt inzwischen eine mögliche Brandursache. In der Nähe des Biotops bei der Bahnlinie habe er eine illegale Grünschnittablagerung entdeckt (die es übrigens nicht nur in der Übungsannahme gab). Das trockene Buschwerk, möglicherweise auch weggeworfene Flaschen, könnten Auslöser gewesen sein. Um eine weitere Ausbreitung Richtung Neckarhausen zu verhindern, diskutiert die TEL einen Schaumteppich.

Letztendlich sieht das Szenario dann doch die Bedrohung der beiden Stadtteile Lanzenbach und Neckarhausen durchs Feuer vor, weswegen Wolfang Müller den Katastrophenfall auslöst. Evakuierungspläne sind schon in der Schublade, die einen Transport der Einwohner nach Hirschhorn vorsehen – und dort eine provisorische Unterkunft in der Schule. Doch zum Glück ist bereits der Hubschrauber im Anflug, mit dessen Hilfe die Wehrleute den Übungsgroßbrand unter Kontrolle bekommen.

Das Gros der Kräfte wurde durch die FFW Neckarsteinach mit 51 und Hirschhorn mit 16 Wehrleuten gestellt. Sie rückten mit insgesamt zehn Fahrzeugen an. Aus dem Odenwald kamen Grasellenbach, Wahlen, Mörlenbach und Ober-Abtsteinach angefahren, von badischer Seite waren Neckargemünd, Heiligkreuzsteinach, Schönau, Altneudorf und Gaiberg dabei, außerdem eine Abordnung der Feuerwehrspitze des Rhein-Neckar-Kreises.

Aufmerksame Übungsbeobachter waren auf Seiten des Kreises Bergstraße der stellvertretende Kreisbrandinspektor Werner Trares sowie die Kreisbrandmeister Reiner Agostin und Volker Steiger. Bei der abschließenden Besprechung würdigte Bürgermeister Pfeifer die sehr gut funktionierende länderübergreifende Zusammenarbeit. Auch Kreisbrandinspektor Müller lobte den reibungslosen Verlauf und hob hervor, wichtig die Einbindung von DLRG und vor allem des Forstes sei, um Informationen über die Beschaffenheit des Waldes zu erhalten. Die Übungsbeobachter waren sehr zufrieden, wie der Austausch mit den Wehren des Rhein-Neckar-Kreises und die Überbrückung zwischen Analog- und Digitalfunk funktionierten.

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