Da stecken Emotionen in den Autos: Treffen der Italo-Freunde Rhein-Main

Sie alle eint die Liebe zu den italienischen Autos, ob es jetzt der Fiat 500 oder der Lamborghini ist: Zum fünften Mal trafen sich auf Einladung der Italo-Freunde Rhein-Main nicht nur „Ferraristi“, sondern auch viele „Fiatisti“. Zum vierten Mal geschah dies auf dem Wiesenmarkt-Gelände in Erbach. 113 Fahrer mit ihren Karossen zählte das Orga-Team um den Vorsitzenden Timo Wahler. „Das sind Emotionen, die in den Autos stecken“, erläutert der 28-jährige Weinheimer die Faszination der Fahrzeuge vom Stiefel.

Seitdem sich die Italo-Freunde das erste Mal vor vier Jahren in Heppenheim trafen, „ist die Besucherzahl sehr konstant“, freut sich Wahler. Dazu kommen immer ein paar Interessierte aus der Region, die sich den Blick auf liebevoll gepflegte und gestylte Autos und dazu noch ein paar schicke Flitzer nicht entgehen lassen wollen. Um die 200 „Erbäscher“ dürften es wohl dieses Jahr gewesen sein, schätzt der Vorsitzende.

Sie hatten eindeutig den kürzesten Anfahrtsweg. Den weitesten dürften mit Abstand drei Briten auf sich genommen haben. „1180 Kilometer“, meint Wahler bewundernd. Die Italo-Auto-Liebhaber organisierten sich übers soziale Netzwerk und traten dann gemeinsam den Weg in den Odenwald an. Dort trafen sie auf Teilnehmer des angrenzenden europäischen Auslands wie Österreich, Schweiz oder Frankreich, vor allem aber auf Fahrer aus allen Ecken und Enden Deutschlands. Aus Italien war allerdings noch niemand dabei, sagt Wahler bedauernd. Jedoch natürlich hierzulande lebende Italiener.

Ruhrpott, Bayern oder der Norden: Den Fahrern sind keine Mühen zu viel und keine Straßen zu weit, um einen Tag unter Gleichgesinnten zu verbringen, erläutert der IG-Vorsitzende. Da wird dann über die eigenen und anderen Vehikel gefachsimpelt, gibt es viele Benzingespräche. „Es ist sehr familiär“, betont Wahler. Jeder kennt quasi jeden, meint er, denn es gibt nur fünf größere italienische Autoclubs in Deutschland. „Die kommen dann immer wechselseitig auf die Treffen.“ Grande Famiglia sozusagen.

Natürlich richten sich die Blicke der Fans auf die roten und gelben Rennwagen wie Ferrari und Lamborghini, die Prachtexemplare der italienischen Autobauerkunst. „Doch auch Serienfahrzeuge sind gerne gesehen“, hebt Wahler hervor. Diese machen in Gestalt von Fiat, Lancia oder Alfa Romeo sowieso die große Mehrzahl der Besucherautos aus. Natürlich bleibt die neue Giulia-Sportvariante mit 510 PS nicht unbeobachtet.

„Fare una bella figura“ gilt ebenso für Autos. Wer will nicht gut aussehen. Bei der Prämierung der 25 schönsten Teilnehmer-Untersätze gewann ein Fiat Grande Punto mit vergoldeten Applikationen, Flügeltüren oder angepassten Giuletta-Scheinwerfern, schwärmt der Vorsitzende. Ein blauer Fiat Coupé und ein weißer Stilo landen auf den Plätzen. Bestes Race-Car wird ein Punto Abarth, als schönster Oldtimer wird ein Fiat Uno ausgezeichnet.

Gewertet wird auch die Musikanlage nach Klang und Optik, es gibt eine dB-Messung der Subwoofer und eine Auspuffmessung unterteilt nach Turbo- und Saugmotoren. Ein Lackaufbereiter beseitigt vor Ort Dellen, ein Folierer steht mit Rat und Tat zur Seite. Dazu Foodtrucks, Hüpfburg, XXL-Dart, Tombola: Es ist ein großes Happening für die ganze Familie.

Die Rhein-Main-Italos bekamen auf ihre Veranstaltung ein sehr positives Feedback, freut sich ihr Vorsitzender. „Den befreundeten Clubs hat es super gefallen“, bilanziert er. „Die freuen sich schon auf eine Fortsetzung.“ Denn die Liebhaber der diversen Karossen sind über ganz Deutschland verteilt und nutzen die Treffen, um sich auszutauschen oder Ideen und Anregungen für die Optimierung der eigenen Fahrzeuge zu holen.

„Als Italo-Fahrer sind wir eine Randgruppe“, meint Wahler schmunzelnd. Die Szene ist überschaubar, kennt sich aber dafür umso besser. Die Modelle vom Stiefel „sieht man außer dem Fiat Panda oder 500 nicht so häufig auf den Straßen“. Ein echter Liebhaber „gibt seinen Wagen trotz aller Problemchen nicht her“, weiß der Vorsitzende. Früher etwas verschrieen für ihre Reparatur-Anfälligkeit, „hat die Zuverlässigkeit der Autos wesentlich zugenommen“, sagt er.

Die Mitglieder der Italo-Freunde kommen aus dem gesamten Rhein-Main-Neckar-Gebiet von Heidelberg bis Frankfurt über die Bergstraße bin hinein in den Odenwald. Derzeit sind etwa 15 Freunde der italienischen Fahrzeuge in der IG organisiert. Timo Wahler aus Weinheim leitet den seit 2012 existierenden Club seit seiner Gründung. „Bei mir ging es 2008 direkt nach dem Führerschein los“, sagt er über seine Leidenschaft. „Mein erstes Auto war ein Fiat Seicento und gab den Startschuss für diese Vorliebe.“ Derzeit hat er zwei Autos vom Stiefel: einen Fiat Bravo Baujahr 2007 und eine Alfa Romeo Giuletta von 2014. „Solange es Modelle gibt, die mir zusagen, gibt es keinen Grund zum Wechseln“, betont Wahler. „Meine Frau kann fahren was sie will“, grinst er.

Bild: Exost Photography

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Rockig-bluesig-soulig mit funkigen Einsprengseln: Hamilton Loomis mit seiner Band im Weinheimer „Muddy’s“ zu

Schon die ersten Töne machen klar, wie der musikalische Hase laufen wird: rockig-bluesig-soulig mit funkigen Einsprengseln. Hamilton Loomis ist ein Tausendsassa, der mit seiner Band diesen Spagat mühelos vollbringt und es locker schafft, in einem Song alles davon unterzubringen. Der Texaner war nach sechs Jahren wieder mit seiner Band zu Gast im „Muddy’s Club“. Es dürfte dieses Mal ebenso gemütlich gewesen sein wie damals, denn der Zuschauerandrang hielt sich bedauerlicherweise in Grenzen.

Dabei ist der Gitarrist, Sänger, Mundharmonikaspieler und geborene Entertainer eigentlich einer, der keine Grenzen kennt. Seine Gitarre beherrscht er aus dem Effeff, die (Mouth) Harp ist ihm quasi an den Lippen festgewachsen, das Publikum hat er durch seine lockere Art fest im Griff und mit seiner Stimme verleiht er den Songs die richtige Form: modelliert, akzentuiert, ausdrucksvoll. Dabei kommt Loomis zupass, dass sein Organ nicht nur ein Anhängsel der Gitarre ist, wie dies dem Gitarrenhexer Joe Bonamassa manchmal spöttisch nachgesagt wird, sondern ein eigener Charakter.

Doch der Künstler wäre nichts ohne sein Band. Da fällt zuerst Fabian Hernandez ins Auge bzw. geht in die Ohren – wenn der das Saxophon zur Hand nimmt. Mit seinen ausgefeilten Soli ist er Loomis in punkto Außenwirkung ebenbürtig und sorgt so für das gewisse Etwas der Blues- und Rocksongs. Wenn er nicht gerade die Metallknöpfe drückt, sind es die schwarzen und weißen Keyboardtasten, die für einen vollen Sound sorgen.

Eher unauffällig agieren Mike Mead (Bass, Background Vocals) und Armando Aussenac (Schlagzeug). Sie sind dafür zuständig, den jeweiligen Songs den richtigen Rahmen zu geben, während Loomis der Improvisation freien Raum gibt. Die Bühne ist ihm dabei nicht genug. Zuerst macht er einen Ausflug ins seitliche Muddy’s-Gewölbe, ehe er die vordere Stuhlreihe entert und danach spielerisch den Gang entlang tänzelt. Grimassen schneidend albert er vorn auf der Bühne herum und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen.

„Basics“ heißt die neue CD des 42-jährigen Gitarrenvirtuosen, auf der er – Nomen est omen – sehr bodenständig zu Werke geht. Doch von dem Anspruch darf man sich nicht täuschen lassen. Oftmals starten seine Songs langsam, gemächlich, balladesk, aber spätestens mit dem Refrain geht dann die Post ab. Loomis streut hier mal den Riff von „Smoke on the Water“ oder „Kashmir“ ein, dort sind ein paar Töne von ZZ Top zu hören, woanders könnte mit den schnellen Gitarrengriffen auch eine Hardrockband den Saal zum Beben bringen.

„Bow Wow“ ist so ein Knaller, bei dem Loomis nicht übers Wasser, aber über Stühle geht, 20 Minuten lang auf seiner Gitarre zaubert, dass man kaum mit dem Hören nachkommt. Er spielt mit seiner Band die Stücke auf den Punkt, schafft abrupte Stil- und Tempiwechsel, sodass das Ohr kaum hinterher kommt. Ein Lob an den Abmischer, der es im Kellergewölbe schafft, dass die klare Stimme des Texaners super zur Geltung kommt und die Instrumente bestens differenziert aus den Boxen schallen.

„Looking  into a dream“ ist ein formidabler Soul-Stampfer, „A Woman like you“ eine Herzschmerz-Ballade, bei der sich die Gitarre zu einem gefühlvollen Solo aufschwingt.  „Eternally“ oder „Aint‘ what it ain’t“ scheinen zu Beginn eher Mainstream-Stücke zu sein, ehe dann aber der Meister der sechs Saiten loslegt. Und schon hat das Lied das Touch des Besonderen.

„Funky little Brother“ macht klar, was sich dahinter verbirgt, doch mit dem Funk ist noch lange nicht Schluss. Spielte Hamilton Loomis schon einen ersten Set über 75 Minuten, so verausgabte er sich nach der Pause noch einmal so lange. Er hinterließ eine begeisterte Zuschauerschar, die sich fragen dürfte, warum der 42-Jährige eigentlich noch nicht zu den ganz Großen des Business gehört. Das Zeug hat er allemal.

Grandioses Zusammenspiel von zwei Frauenstimmen

Mit Gänsehaut-Feeling entlassen Patricia Kain und Felicitas Hadzik ihre Gäste auf den Nachhauseweg. „There is a fine fine line“ aus dem Handpuppen-Musical „Avenue Q“ lebt vom grandiosen Zusammenspiel der beiden Frauenstimmen, vom dezenten Piano im Hintergrund, vom  nachdenklichen Text, von den getragenen Tönen. Nach dem „Musical-Fieber“, wie die beiden ihr Programm in der Alten Druckerei betitelt hatten, somit zum Abschluss eher eine Musical-Ballade, die aber ungemein berührt.

Was die beiden jungen Frauen als Duo „Zweisamkeit“ stimmlich drauf haben, zeigten sie in den knapp zwei Stunden vorher. Da gab es einen Parforceritt durch die Musical-Landschaft mit deutschen Melodien. Vor allem nach der Pause, als die bekannteren Stücke vorgetragen wurden, gab es ein ums andere Mal einen hohen Wiedererkennungseffekt. Mit den flotten Songs bewegten Kain und Hadzik die Zuschauer auch immer wieder zum Mitklatschen.

„Wir sind, was wir sind“ aus „La Cage aux Folles“, dem Käfig voller Narren, „beschreibt uns am besten“, scherzte Hadzik. In ihm durften sie noch einmal all das zeigen, was schon den Abend kennzeichnete: eine enorme stimmliche Power, klare Akzentuierung, hohe Wandlungsfähigkeit,  gepaart mit einer großen Bühnenpräsenz.

Die Persönlichkeiten könnten dabei unterschiedlicher nicht sein: Hier Felicitas Hadzik, die mit weit ausholenden Bewegungen ihren Part gibt, nie still steht, die Augen rollt, Grimassen schneidet, den Hampelmann gibt und kaum eine Sekunde auf dem gleichen Fleck bleibt. Dort Patricia Kain, die ruhige, besonnene, die ihre Kollegin spielerisch wieder auf den Boden der Tatsachen holt, im Zweifel  immer einen Schritt weniger tut, aber dafür auch in ihren Darbietungen besser verständlich ist.

Die Sängerinnen ergänzen sich perfekt in ihrer Unterschiedlichkeit, aber auch gerade dann, wenn es neben dem Schauspielerischen einfach nur um den Gesang geht. „Mondlicht“ aus Cats ist ein solches Beispiel. Dieser unter die Haut gehende Song bietet ihnen die Möglichkeit, mit der ganzen geschulten Stimmgewalt abseits des Agierens zu überzeugen. Und das tun sie perfekt. Da meint man Angelika Milster zu hören, die dem Song von Andrew Lloyd Weber vor über 30 Jahren zur Berühmtheit verhalf.

Das Hit-Medley aus den bekanntesten Musicals bringt einen Schnelldurchlauf der berühmtesten Melodien, von denen es die eine oder andere gerne auch als kompletten Song hätte haben dürfen –anstatt eines eher unbekannteren, nicht so eingängigen Stücks. „Ich gehör‘ nur dir“, „Weine nicht um mich Argentinien“,  „Super Trouper“ oder der „Ewige Kreis“ aus dem König der Löwen haben sich schon längst in den Gehörgänge eingenistet.

Klasse auch das Best-of von Udo Jürgens, mit dem Kain und Hadzik den Spagat zwischen Schlager und Musical schaffen: Denn das Werk des Österreichers wurde 2007 in ein Musical gegossen. „Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“, „Ich war noch niemals in New York“ oder „Aber bitte mit Sahne“ lassen die Besucher selig in Erinnerungen schwelgen, dürften sie doch vom Altersschnitt her noch viel Bekanntschaft mit dem Lebenswerk von Udo Jürgens zu dessen Lebzeiten gemacht haben.

Schlager sind auch das Steckenpferd der beiden Darstellerinnen. Als Duo Zweisamkeit sind sie mit ihren selbst geschriebenen Liedern unterwegs und etwa am 29. Juli im Weinheimer Schlosshof zu sehen. „Ich bin wie du“ ist eine eigene Ballade, die ein schönes Beispiel der gemeinsamen Arbeit liefert. Patricia Kain und Felicitas Hadzik haben sich an der Stage & Musical School in Frankfurt kennen gelernt und schnell gemerkt, dass sie auf der Bühne hervorragend harmonieren. Seit vier Jahren machen sie inzwischen zusammen Musik.

Das Varietee oder die Revues der 20er Jahre sind ihnen aber auch nicht fremd. Zwei Federboas, eine in Weiß, die andere in Rot, liegen zu Beginn auf den beiden Stühlen. Dazu genau umgekehrt ein roter und ein weißer Hut. Um die Faszination Theater – mit seinen Schattenseiten –  geht es zu Beginn. „Theater, Theater“, bekannt durch Katja Ebstein, beschreibt die Höhen und Tiefen anschaulich.

Schon hier wird die „Arbeitsteilung“ von Kain und Hadzik deutlich. Letzere die überkandidelte mit Gesichtsakrobatik, deren Stimmvolumen manchmal fast das Mikro überfordert. Die burschikose, der das „Puffmedley“  im Rotlichtmilieu sichtlich Freude bereitet, der männermordende Vamp, der sich lasziv auf dem Stuhl räkelt.

Dagegen Patricia Kain, ruhig, fast verschämt, kontrolliert, die aber stimmlich ebenso aus sich herausgehen kann. Doch so kontrolliert, dass man bei ihr jedes Wort versteht. Sie, die sich eigentlich zurücknimmt, hat genau dadurch fast mehr Ausstrahlung als ihre Kollegin, der blonde Wirbelwind auf der Bühne.

„There’s no business like showbusniess“, „Mädchen der Nacht“, „Money, Money“ oder „Märchen schreibt die Zeit” aus der Schönen mit dem Biest sind weitere Stücke, die ein paar Zuschauer mehr in der Alten Druckerei verdient hätten. Aber Patricia Kain und Felicitas Hadzik stehen noch am Anfang ihrer vielversprechenden Karriere. Da ist ein größeres Publikum bei kommenden Veranstaltungen ganz logisch –  mit diesen tollen Stimmen…

Melodisch, mächtig, metallisch: „Leaves Eyes“ im Weinheimer Café Central

Wilde Wikinger in Weinheim: Die Symphonic Metal Band „Leaves Eyes“ hatte zu ihrem Auftritt ins Café Central gleich mehrere furchterregende Gesellen in voller Montur mitgebracht, die zusammen mit den Musikern auf der Bühne waffenstarrend und Schwert schwingend Stimmung machten. Dazu noch die harten, aber immer melodischen Klänge, die sirenenhafte Stimme der finnischen Sängerin Elina Siirala und die heftigen Growls von Alexander Krull – fertig war eine Heavy-Mixtur, die etwa 150 Fans in der schwül-warmen Atmosphäre begeisterte.

„Sign of the dragonhaed“ heißt die neue CD der deutsch-skandinavischen Band, für die der Weinheimer Auftritt fast schon ein Clubkonzert gewesen sein muss. Denn das Quintett spielte bereits beim ungleich größeren Wave Gothic Treffen in Leipzig oder beim Wacken Open Air. Folk- oder Viking-Metal haben die fünf ihre Musik untertitelt –  richtigerweise, denn die keltischen und nordischen Einflüsse sind unüberhör- und -sehbar. Wenn dann zum Schluss fast ein komplettes Wikingerdorf die Bühne entert, gerät der Song schon fast zur Theateraufführung.

„Sign of the dragonhead“ ist auch die erste Veröffentlichung mit dem neuen Line-up, zu dem seit 2016 Siirala gehört, die auf Liv Kristine folgte. Torsten Bauer an Gitarre und Bass ist zwar wie Krull ein Leaves-Eyes-Urgestein seit Gründung 2003, aber Pete Streit (Gitarre) kam erst 2015 hinzu, zwei Jahre nach Schlagzeuger Joris Nijenhuis. Sie stehen für harte Riffs, aber auch sphärische Synthie-Klänge, die zusammen mit dem Gesang den Songs immer eine Struktur geben und sie nicht ins reine Gitarren-Geschrubbe abrutschen lassen.

Auf dem neuen Silberling spinnt die Gruppe die Wikinger-Chroniken aus den früheren Jahren fröhlich weiter, nimmt aber neue Einflüsse mit auf, ohne die alten Stärken zu vergessen. „Across The Sea” wird so etwa zu einer Art „Metal-Shanty” mit unwiderstehlichem Rhythmus. „Like A Mountain” erzählt eine tragische isländische Liebesgeschichte, untermalt von einem gothiclastigen Basstrack. Wie überhaupt die Double Bassdrum gerade im hinteren Teil des Cafés so manchen Gitarrenton überdeckte.

Elina Siirala kann sämtliche Facetten ihrer eindrucksvollen Stimme voll ausschöpfen. Sie dominiert mit ihrem wandlungsfähigen Organ, das teilweise schon Anklänge ans Opernhafte hat, ganz klar die verschiedenen Songs. Da merkt man sehr deutlich die klassische Ausbildung. Mal sanft säuselnd, dann aber auch wieder kraftvoll, saalfüllend, voll klingend bei anderen: Jeder Songs ist ein Erlebnis. Wenn Sänger Alex Krull nicht gerade seine mit Reißnägeln gegurgelte Growls einstreute, dann animierte er die Menge erfolgreich zum Mitklatschen, Mitsingen und Mitgrölen – eine eingeschworene Gemeinschaft.

Natürlich standen die neuen Lieder ganz klar im Mittelpunkt des Konzerts, das Mayan und Almanac als Vorgruppen sah. Mittelalterliche Schlüsselfideln, Geigen, schottische Dudelsäcke und Flöten bildeten einen interessanten  Hintergrund bei Stücken wie „Shadows In The Night” und „Völva“, die die Fans bei geschlossenen Augen in eine mystische Welt der nordischen Seher und Sucher entführten. Melodisch, mächtig, metallisch präsentierte sich die Band, die gnadenlos Stimmung machte und nicht so  schnell von der Bühne gelassen wurde.

Den Vergleich mit einer der führenden Bands der Szene „Nightwish“, muss sich die Truppe gefallen lassen. Einige Anklänge lassen sich feststellen, was per se aber nichts Schlechtes ist.  Im Gegenteil: „Leaves Eyes“ wissen ihre eigenen Einflüsse geschickt einzubauen. „Riders On The Wind”, eigentlich ein klassisches Heavy Metal-Stück, gewinnt stark durch die Konfrontation mit Celtic Folk und bildet die Basis für eine große Wikinger-Party.

„Jomsborg” wiederum handelt von einer legendären baltischen Festung und ihrer Armee, zelebriert durch am Anfang genannte Streiter. Gleichzeitig bildet der Song eine Hommage an die Reenactment-Szene, die immer mehr an Zulauf gewinnt. Living History wie etwa in Haithabu, eine frühe Wkinger-Siedlung, die heute in Schleswig liegt, ist dafür nur ein Schlagwort. So weit musste man aus Baden aber nicht fahren, um die Wikinger zu sehen – das Café Central reichte.

Zum Bericht geht's hier:…

Posted by Thomas Wilken on Friday, May 11, 2018

Veloica am 18. September: Auf alten Fahrrädern durch den Odenwald

Was mit alten Autos und Motorrädern möglich ist, geht auch mit Fahrrädern: E-Bikes liegen im zwar Trend, doch retro ist „in“. Für einen Oldtime-Biker gibt es nichts Schöneres, als seinen guten alten Stahlesel zu polieren und mit Gleichgesinnten auf Tour zu gehen. Die „Veloica“ geht Mitte September in Weinheim an den Start und führt dann auf verschiedenen Strecken durch den ganzen Odenwald.

Am Sonntag, 18. September, treffen sich die Oldtime-Biker am historischen Marktplatz, um sich und ihre Räder zu präsentieren. Wahre Schmuckstücke sind darunter: Alte Post- und Militärräder, Sammlerstücke aus den 50ern und noch älter. Denn um Oldtime-Bike genannt zu werden zu dürfen, gelten strenge Kriterien: vor 1988 gebaut, Stahlrahmen, Rahmenschaltung und andere „Vintage-Details“. Die Damen und Herren sind entsprechend gekleidet: Knickerbocker, Trikots aus Wolle, Lederhelme – alles wie in alten Zeiten.

Drei Touren stehen zu Wahl: Die Veloica I führt als Flachetappe mit 40 Kilometern ins historische Ladenburg. Dort können die Teilnehmer das Carl-Benz-Museum kostenlos besuchen, das auch alte Fahrräder zur Schau stellt. Eine Jazz-Combo spielt zur Unterhaltung. Natürlich ist ebenso ans leibliche Wohl gedacht. Die Veloica II ist schon anspruchsvoller: Sie führt mit 70 Kilometern und 1500 Höhenmetern in den Odenwald über Wald-Michelbach nach Heiligkreuzsteinach ins Steinachtal. Dort findet an diesem Tag die Kerwe statt.

Die längste und anspruchsvollste Tour (120 Kilometer und 2200 Höhenmeter), die Veloica III, führt über Wald-Michelbach weiter nach Hirschhorn am Neckar und dann über das romantische Steinach- und Eiterbachtal zurück. Jeder Teilnehmer erhält ein Startpaket. Unterwegs gibt es an den Verpflegungsstationen Leckeres und Deftiges: Wein, Äppelwoi, Handkäs, Odenwälder Bauernbrot mit Leberwurst, hausgemachte Kuchen und vieles mehr aus der Region.

Alle Veloica-Fahrer, die bereits am Vortag anreisen, bekommen am Abend eine kostenlose Führung durch Weinheims Altstadt. Die Begleitungen der Radler können am Sonntag eine kostenlose Führung durch den Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof genießen. Alle Teilnehmer dürfen die „LebensArt“-Messe für Garten, Wohnen und Lifestyle kostenlos besuchen.

Vom Startgeld in Höhe von 48 Euro gehen zehn Euro an ein Sportprojekt für jugendliche Flüchtlinge. Für den am weitesten angereisten Teilnehmer, für das schönste Rad bzw. Outfit und für die größte Gruppe gibt es Sonderpreise. Organisiert wird die Veloica von ehrenamtlichen Weinheimern, tatkräftig unterstützt von der Radsportabteilung des Athletik Clubs Weinheim.

Info: Anmeldungen online unter www.veloica.de.

Kain zelebriert das Kurpfälzische in der Comedy: Kabarettist gastiert mit seinem Best-of-Programm beim HCV Lachsbachperle Hirschhorn

Kein Zweifel: Franz Kain versteht es, sein Publikum zu begeistern. Den vollbesetzten Veranstaltungssaal des HCV Lachsbachperle hatte der Weinheimer Kabarettist bei seinem Auftritt ruckzuck im Griff. Mit seinem „Beschd of“-Programm kalauerte er sich über zweieinhalb Stunden durch alle Themen, die Nation und Region derzeit bewegen oder manchmal lieber nicht bewegen sollten.

Das Kurpfälzische als Mittel zum Zweck zelebriert er dabei förmlich. Dem „Lewwerworschte-Brot“ als bevorzugter Mahlzeit setzt Kain ein sprachliches Denkmal. Aber auch Freud und Leid der Haushaltsarbeit, Feng Shui oder die profane Nahrungsaufnahme sind vor seinem Spott nicht sicher. Der ist manchmal pointiert detailgenau mit viel Wortwitz, dass es teilweise bisschen dauert, „bis er in den hinteren Reihen ankommt“ (Kain).

Manchmal begibt sich das Spitzklicker-Mitglied aber auch auf tiefer liegendes Niveau. Seine Griechenland-Polemik ist nicht nur veraltet, sondern spielt auch mit den liebsten Klischees und Feindbildern der Deutschen. Gut, lustig mag das in Teilen sein, aber rutscht dann doch ein wenig in die dumpfe „Faule-Griechen-Schublade“. Da merkt man, dass Kain mit einem Sammelsurium seiner bisherigen vier Programme tourt.

Denn Besagtes dürfte wohl schon weiter unter in der Mottenkiste gelegen haben. Auch die Philippika auf die Deutsche Bahn ist auf irgendeine Weise schon mal anderswo dagewesen. Die Pointen kommen einem bekannt vor. Ihr Verfallsdatum ist ähnlich abgelaufen wie die Dinge im Kühlschrank, die Kain bei seiner erzählten Aufräumaktion dort vorfand und deren Konsistenz er in allen Einzelheiten schilderte.

Der Kabarettist reißt genau dann das um die 80 Köpfe zählende Publikum ein ums andere Mal mit, wenn er in breitester Mundart, mit viel Situationskomik und spontanen Einfällen die Alltagsgeschichten auf die Schippe nimmt. Etwa die Kurpälzer Weisheit: „Bevor ichs net ferdisch krieg, loss ischs liewa ganz bleiwe.“ Auf Deutsch: „Bin zu faul anzufangen.“

Oder seine Eheweisheiten: „Unnötiges Gebabbel ist das Fundament für eine funktionierende Ehe.“ Gefolgt von der gesundheitsfördernden Wirkung des Lachens: Das verbrenne mehr Kalorien als Joggen. „Wenn ihr heute richtig mitmacht, könnt ihr euch danach ein halbes Jahr aufs Sofa schmeißen.“ Das ließen sich die Besucher nicht zwei Mal sagen.

Morbid, für Freunde des schwarzen Humors, ist Kains Schilderung des Mannheimer Dreiklangs zwischen Krankenhaus, Brauerei und Hauptfriedhof. Denn letzterer liegt nur 150 Meter vom Krankenhaus entfernt, dazwischen wird Bier hergestellt. Das naturtrübe Kellerbier bekomme hier eine ganz neue Bedeutung, meint der gebürtige „Monnemer“.

Kain lässt nichts kommen auf den hiesigen Dialekt wie eben besagtes „Worschtebrot“. Das höre sich auf Kurpfälzisch „lautmalerisch und appetitanregend“ an, während das hochdeutsche „Wurstbrot“ den Mund verklebe. Beim „Musebrot“ öffne sich der Gaumen und „knallen die Geschmacksknospen“. Zu den Speisen gibt’s noch „Sempft“ dazu, freut sich die erste Reihe über seine feuchte Aussprache.

Dem heutigen Gesundheitswahn kann er nichts Gutes abgewinnen. „Wir leben doch auch noch“, meint Kain. Auch wenn der Kopfsalat von 1964 heutzutage wohl als Sondermüll entsorgt werden müsste. Und das Wort Diätrezepte: „So paradox wie Stress bei der Arbeit in der Stadtverwaltung“, haut er den nächsten Kracher raus. Fazit: „Leben gefährdet unsere Gesundheit.“

Herrlich sind seine Betrachtungen über (Fluss-)Kreuzfahrten. Der dortige Altersdurchschnitt entspreche der allgemeinen Lebenserwartung, womit der Begriff „Last-Minute-Reisen“ eine ganz neue Bedeutung erfahre, sorgt Kain für tosendes Gelächter. Tupperware, Thermomix oder der Speicher als Refugium alter Erinnerungen: Der Rundumschlag-Parforceritt durch menschliche Bedürfnisse und gesellschaftliche Niederungen bescherte dem Kabarettisten zum Schluss tosenden Applaus.

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Kabarettist Franz Kain gastiert bei HCV kult in Hirschhorn mit „Bislang’s Beschde“

„Bislang‘s Beschde – Ein Quantum Kain allein ist nicht genug“ hat Kabarettist Franz Kain sein Best-of-Programm überschrieben. Mit dem ist er am Freitag, 9. Oktober, um 20 Uhr im Rahmen von „HCV kult“, der Kleinkunstreihe der Lachsbachperlen, zu Gast. Das Weinheimer Spitzklicker-Mitglied Kain bietet Kurpfälzer Mundart-Kabarett vom Feinsten.

„Bislang‘s Beschde“ ist ein neues Arrangement von Elementen aus den bisherigen Soloprogrammen „Ein Quantum Quellmänner“, „Kain allein daheim“ und „Die Woch‘ ist nicht genug“ zusätzlich gespickt mit Häppchen aus „Kain im Quadrat – iwwer Monnem un drumrum“, das exklusiv im Schatzkistl zu sehen ist. „Bislang‘s Beschde“ soll aber auch aussagen, dass die Zuschauer Neues erwarten dürfen: Das fünfte Programm ist parallel in Arbeit und soll im April Premiere haben.

Ein Quantum Kain allein ist nicht genug – aber ein Muss für Freunde von hintersinnigem Humor, wunderbarem Wortwitz und unnachahmlicher Bühnenpräsenz. Franz Kain liebt es, auch mal die leisen, nachdenklichen Töne anzuschlagen, vor allem aber sein Publikum mit seinem Sprechtempo mitzureißen. „Bislang‘s Beschde“ ist ein wahres Pointen-Feuerwerk in Kurpfälzer Mundart für Einsteiger und Fans.

Info: Karten gibt es im Vorverkauf bei Harald Heiss, Telefon 06272-2661, und Jürgen Abelshauser, Telefon 06272-3205, E-Mail: juergen.abelshauser@t-online.de. Eintrittspreis: 17 Euro, Beginn 20 Uhr, Einlass ab 19 Uhr bei freier Platzwahl. Ort ist das HCV-Heim in der Brentanostraße, 69434 Hirschhorn.