Musik macht den Markt zum beliebten Treff

Was gibt’s Schöneres? Ein herrlicher Spätsommertag, viel Sonne und dazu leckere lukullische Angebote auf dem Wochenmarkt. Das Ganze untermalt von zart vor sich hinplätschernder Unterhaltungsmusik. Kein Wunder, dass viele Bürger zur Wiedereröffnung des Beerfeldener Wochenmarktes nach der Sommerpause vorbeischauen und sich von Neo Stephanou und dem Duo „Jazzaffair“ bestens unterhalten lassen. Organisiert hat die musikalische Unterhaltung Stefan Rosewick, der neue städtische Kulturbeauftragte.

Neo Stephanou ist auf dem Dilsberg zuhause. Der gefragte Gitarrist aus Zypern, vor kurzem mit Rolf Schaude („Die Nachtigallen“) und Gigu Neutsch („Freddy Wonder Combo“) als Trio „Blu“ im Michelstädter Hüttenwerkt zu sehen. Stephanou war gleich dabei, als er gefragt wurde. Direkt von der Heidelberger Musikschule, wo er jetzt nebenher arbeitet, ging es nach Beerfelden. „Kultur muss unterstützt werden“, betont er.

Der studierte Bassist tritt eigentlich gern mit verschiedenen Bands auf, aber in Corona-Zeiten ist er auch mal zwangsweise allein unterwegs. Vier Monate lang tat sich in Sachen Engagements bei ihm gar nichts. „Jetzt fange ich wieder klein an“, lacht er. Stephanous virtuoses Gitarrenspiel und seine unverwechselbare Stimme nehmen das Publikum mit auf eine Reise in den Süden mit rhythmischen spanischen und lateinamerikanischen Klängen, aber auch Pop- und Rock-Klassikern.

Birgit und Karsten von Lüpke kommen aus Frankfurt und zeigen sich froh, wieder auftreten zu können. Natürlich unterstützen sie eine Kulturaktion, hebt Karsten von Lüpke hervor. In Frankfurt ist derzeit nur eine Jazz-Kneipe wieder offen, berichtet er. Daneben wurde den beiden ein neunwöchiges Kreuzfahrt-Engagement gecancelt, bedauert der Pianist. „Nur der Unterricht läuft weiter“, weist er auf die Schwierigkeiten der Branche hin.

Das umfangreiche Repertoire umfasst Swing, Blues und Latin-Jazz sowie Popklassiker von Ray Charles, Bill Withers oder den Beatles. Die Corona-Auflagen und die damit verbundene räumliche Trennung von Marktgeschehen und Musik führen dazu, dass sich zwar direkt vor den Künstlern nicht so viele Gäste einfinden, aber die Umrahmung im eigentlichen Marktbereich eine Etage höher sehr positiv aufgenommen wird.

„Die Begeisterung für die Musiker ist da“, stellt Stefan Rosewick fest. Die Untermalung kommt seiner Beobachtung nach positiv an, „der Markt ist voll“, beobachtet er. Es wäre schön, so etwas von Zeit zu Zeit zu wiederholen, wäre sein Wunsch. Aktuell brütet er über anderen neuen Ideen, die aber noch der Abklärung bedürfen.

„Es ist schön, dass so etwas geboten wird“, sagt Regina Georg von der städtischen Tourist-Info. Immer wenn es besondere Aktionen auf dem Wochenmarkt gibt, zeigt sich der besonders gut besucht. Thomas Mergenthaler bezeichnet die Musik zum Markt als „super Aktion“. Der regelmäßige freitägliche Besucher freut sich nach einer arbeitsintensiven Woche über den „chilligen Nachmittag“. Die Künstler hätten mehr Besucher verdient, meint er mit Blick Richtung Auftrittsfläche. „Das sollte man ab und zu beibehalten“, so seine Meinung. „Es bereichert das Kulturleben.“

Das ist auch die Meinung von Ina Bottelberger. „Klasse, dass Stefan so etwas in die Hand nimmt“, betont sie. Katharina Riesinger weist auf die schöne Auflockerung des Nachmittags an einem herrlichen Frühherbsttag hin. Alle zusammen lassen es sich mit vielen anderen Gästen bei bester Verpflegung gut gehen.

Das Weingut Beyer-Bähr hat Neuen Wein im Gepäck, der reißenden Absatz findet. Beim Weilerhöfer Putenwagen gibt’s die feste Nahrung dazu, und gesund wird’s beim Imkerverein Beerfelder Land mit seinen Produkten. Mediterrane Spezialitäten runden das Ganze ab. Um 18 Uhr machen zwar die Stände zu, aber das heißt nicht, dass die Gäste den Heimweg antreten würden. Sie sitzen an einem angenehmen Abend noch länger zusammen und lassen es sich gut gehen statt zu gehen.

Mit seinem Angebot ist der Beerfelder Wochenmarkt jeden Freitag ein großer Anziehungspunkt

„Klein, aber fein“ ist ein Attribut, das voll und ganz auf den Beerfelder Wochenmarkt zutrifft. Jeden Freitagnachmittag gibt es vor der evangelischen Kirche an drei bis vier Ständen Leckeres für heimische Küche und Keller zu kaufen. Das Angebot ist schmal, aber begehrt – die Beerfellmer wissen zu schätzen, dass sie hier Waren bekommen, die es sonst nicht an jeder Ecke gibt. Auch die Beschicker sind zufrieden und kommen seit vielen Jahren unverdrossen wieder.

Ursula Fleck, die am Putenstand vom Weilerhof arbeitet, ist eine Frau der ersten Stunde. „Ich bin seit Anfang an dabei“, lacht die einheimische Verkäuferin, die mit anpackt, wenn der Verkaufswagen aus der Nähe von Helmstadt-Bargen Station in Oberzent macht. „Hier läuft es immer sehr gut“, freut sie sich – auch wenn nur wenige Stände auf dem Marktplatz anzutreffen sind.

Die Kunden „kaufen kunterbunt“, hat sie festgestellt. Seit Jahren gibt es einen festen Stamm. Der erweitert sich immer mal wieder durch Mund-zu-Mund-Propaganda. „Da wird dann ein Nachbar oder ein neu Zugezogener vorbeigeschickt“, weiß Ursula Fleck. „Das läuft hier alles ganz ungezwungen“, sagt sie. Eier und Marmeladen, von ihr mitgebracht, stehen nebenan auf der Sitzbank zum Verkauf bereit.

Auch die andere Verkäuferin Heike Kreth kommt gerne nach Beerfelden. „Ich fühle mich hier richtig wohl“, betont sie, „das ist alles eine große Marktfamilie“. Vor dem Stand, in der Mitte des Platzes, sind auch ein paar Stehtische zu finden. „Da kommt nachher, nach der Arbeit, der Damen-Stammtisch vorbei“, schmunzelt Ursula Fleck. Der trifft sich bei Wind und Wetter an dieser Stelle. Unter der Woche hat man sich bereits verabredet und genießt dann bei angeregten Gesprächen ein Gläschen Sekt.

Die Fahnen des Imkervereins Beerfelder Land halten Uschi und Harald Bohländer hoch. Der Markt bietet eine gute Absatzmöglichkeit für Kleinimker, erläutert sie. „Der feste Honig eignet sich gut für den Tee“, erklärt ihr Mann. Auch bei Halsweh kann ein Löffel nicht schaden. Honig von der Sommerblüte vermittelt noch ein schwaches Gefühl davon, wie wärmere Temperaturen schmecken können. Die heilsame Wirkung von Propolis ist ja hinreichend bekannt. Seit Anfang an sind die Imker auf dem Markt dabei. Mehr als zehn Jahre lang war der Vorsitzende Dieter Berg jeder Freitag am Stand anzutreffen, bis dies die Bohländers übernahmen.

Als eine der letzten stieß die Beerfelder Landmetzgerei Sattler mit ihrem breiten Sortiment zu den Marktbeschickern hinzu. „Als wir unseren Laden vor einigen Jahren dichtgemacht haben, wollten wir den Bürgern aber trotzdem noch unsere Waren anbieten“, sagt Isabella Sattler. Denn die Nachfrage ist nach wie vor da. Das zeigt auch an der breiten Palette, die keine fleischlichen Wünsche offen lässt. „99 Prozent aus eigener Schlachtung und Aufzucht“, betont Sattler.

Die Familientradition hält Sebastian Bähr hoch. „Schon mein Großvater lieferte Weine nach Beerfelden“, weiß er. Was vor Jahrzehnten begann, führt der Enkel jeden letzten Freitag im Monat fort. Dann packt er die Kisten aus dem Familienweingut Beyer-Bähr in Rheinhessen ins Auto und fährt damit in den Odenwald. „Der Ursus Vinum Riesling und der Frauenberg kommen immer gut an“, sagt Bähr. Aber auch die anderen süffigen Tropfen aus Flörsheim-Dalsheim werden von den Oberzentern gerne getrunken.

Initiator des Marktes war 2003 die Projektgruppe Wochenmarkt, die aus der „Zukunftskonferenz“ der Stadt Beerfelden hervorging, erklärt Regina Georg seitens der Verwaltung. Man griff den Wunsch vieler Bürger auf. 2005 fand dann zum ersten Mal ein Markt statt. Auf diesem waren in früheren Jahren auch Käse, Wurst und Fisch anzutreffen, ehe sich das Sortiment auf die jetzigen Anbieter reduzierte. Im Sommer kommt noch ein Verkaufsautomat der Gärtnerei Berger hinzu, aus dem sich Biogemüse und Pflanzen ziehen lassen. Es ist zwar schwierig, neue Stände zu gewinnen. „Für die jetzigen läuft es aber gut“, freut sich Georg.

 

Der Beerfeldener Wochenmarkt findet jeden Freitag von 14 bis 18 Uhr auf dem Platz vor der evangelischen Kirche statt.