Vortrag in Hirschhorn: Über die Nachbarschaft von Wolf und Mensch

Über Wölfe wird derzeit viel diskutiert. Überall dort, wo sie auftauchen, lösen sie Emotionen und Diskussionen aus – und Verunsicherung. Denn die heutigen Menschen haben längst vergessen, wie es ist, mit Wölfen einen Lebensraum zu teilen. Der letzte Wolf im Odenwald wurde vor mehr als 150 Jahren erschossen. Daher begegnet man dem neuen Nachbarn mit gemischten Gefühlen, mit Angst, Freude und Neugier.

Ende 2017 gab es in der Region bereits mehrere Wolfssichtungen. Einmal wurde ein Tier in Wald-Michelbach im September gesichtet. In Mossautal und Kailbach wurden im November 2017 einige Schafe und eine Ziege gerissen. Erst vor ein paar Wochen wurde ein Wolf bei Neckargerach gesehen, der kurze Zeit darauf bei Öhringen auf der Autobahn überfahren wurde.

Was bedeutet die Rückkehr der Wölfe? Wie kann sich eine solche Nachbarschaft gestalten? Welche Erfahrungen haben Menschen mit Wölfen bereits gemacht? Diese und mehr Fragen beantwortet der Kulturgeograph Sebastian Ehret in seinem Vortrag „Wie können wir mit Wölfen zusammenleben?“. Er hält diesen am Samstag, 30. März um 19 Uhr im Langbein-Museum Hirschhorn.

Sebastian Ehret ist ein Experte in diesem Thema. Im Rahmen seiner Doktorarbeit an der Universität Kiel forschte er über das Zusammenleben von Menschen und Wölfen. Er besuchte die Wolfsgebiete der Lausitz und sammelte Einblicke in die verschiedenen Positionen und Erfahrungen von Menschen, die seit fast 20 Jahren mit, gegen oder einfach neben dem Wolf leben.

Im Rahmen eines lebendigen Vortrags wird er im Langbein-Museum über seine Forschungsarbeiten berichten und schildern, wie es sich mit unserem neuen Nachbarn auskommen lässt. Ehret stellt sich im Anschluss den Fragen aus dem Publikum. Eintritt ist frei. Spenden sind willkommen.

 

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Kehrt der Wolf nach 150 Jahren wieder in den Odenwald zurück?

Eine angebliche Wolfssichtung zwischen Beerfelden und Gammelsbach bewegt die Netzgemeinde. Nachdem ein entsprechender Post bei Facebook auftauchte, entspann sich gestern in kürzester Zeit eine rege Diskussion über das Ob. So ganz unwahrscheinlich wäre eine Sichtung nicht – wenn es sich nicht am wahrscheinlichsten um einen ausgebüxten Hund handeln dürfte.

Aber Ronny Kolb, der stellvertretende Leiter des Forstamts Beerfelden, kann sich durchaus vorstellen, dass Meister Isegrim in absehbarer Zeit wieder im Odenwald heimisch werden könnte. Und von Beerfelden aus wäre es für einen jungen Rüden auf der Suche nach einem eigenen Revier nur ein Katzensprung in den Überwald.

Kolbs Worten zufolge wurde Ende April bei Frankfurt ein Wolf überfahren, der eindeutig einem Gartower Rudel aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg im Osten Niedersachsens zugeordnet werden konnte. Die Tiere könnten in kürzester Zeit weite Strecken bewältigen, sagt Kolb. Gerade junge Rüden „wandern relativ schnell“, mehrere Kilometer pro Nacht, um neue Reviere zu erforschen. Weitere Sichtungen im Westerwald oder bei Kassel belegten dies.

Im Odenwald würde eine Wiederansiedlung nach ziemlich genau 150 Jahren eine Rückkehr des einst weit verbreiteten Tieres bedeuten. Denn 1866 war der letzte Wolf des Odenwalds bei Wagenschwend (zwischen Eberbach und Mudau) aufgescheucht und dann in der „Wolfsschlucht“ bei Zwingenberg (Baden) nahe Eberbach erschossen worden. Wie Kolb sagt, „ist der Wolf in Deutschland ganz deutlich auf dem Vormarsch und breitet sich stark aus“.

Auf der Strecke vom Osten oder Norden Deutschlands, wo es bereits Populationen gibt, nach Süden lauern Kolb zufolge allerdings hohe Barrieren in Form von Autobahnen, Eisenbahnstrecken oder Flüssen. Was auch dem Tier bei Frankfurt zum Verhängnis wurde, der auf der A 661 zwischen Oberursel und Offenbach überfahren wurde. „Es muss schon viel zusammenkommen, damit der Wolf in unserer Region ankommt“, so Kolb.

Sollte es Meister Isegrim aber in den Süden Hessens schaffen, „dann dürfte er sich hier sehr wohlfühlen“, meint Kolb. Denn der Odenwald wäre für ihn aufgrund des Waldreichtums jeden Fall eine Region, die sich für eine Besiedlung eigne. Ronny Kolb hofft, sollte es einmal so weit kommen, auf einen sachlichen Umgang damit – ohne die weit verbreiteten Vorurteile. (Bild: IFAW)